02-14-2026, 04:13 PM
Szeneninformationen
Charaktere: Adrien Delacroix & Milo Jaehyun Alvarez
Szeneneinstellung: private Szene & feste Postreihenfolge
Datum: 16.02.2026
Triggerwarnung: FSK 21
Szeneneinstellung: private Szene & feste Postreihenfolge
Datum: 16.02.2026
Triggerwarnung: FSK 21
„Du…“, setze ich an, und es ist das erste Mal seit Minuten, dass ich wieder Worte finde. „Du kannst nicht einfach sowas machen und dann gehen, als wär’s“ Ich breche ab, weil ich selbst merke, wie das klingt, und schnaube leise, halb lachend, halb völlig überfordert. Ich schüttle den Kopf, fahr mir durch die Haare und zwinge meine Füße, mich wenigstens einen Schritt zu bewegen. „Ich wollte dich nicht nerven“, sage ich dann schneller, ehrlicher, hinterher, weil ich auf einmal Angst habe, dass er das falsch versteht. „Ich wollte wirklich nur helfen.“ Ich bleibe stehen, als er an der Tür ist, und mein Blick hängt an ihm, obwohl ich’s nicht will. Dann kriege ich doch noch dieses Milo-Grinsen hin, klein, schief, mehr Mut als Gelassenheit.
„Und… nur dass du’s weißt“, rufe ich ihm nach, leiser als vorher, aber klar genug, „ich kann auch still sein.“ Ich hebe kurz die Hand, als würde ich einen Schwur ablegen. „Manchmal. Wenn’s sich lohnt.“
Und als die Tür hinter ihm ist, atme ich endlich wieder richtig aus. Starre kurz auf den Tisch, auf meinen Stift, der immer noch in meiner Hand steckt, als hätte ich ihn die ganze Zeit festgehalten wie ein Rettungsring.
„Scheiße“, murmele ich leise und muss dann trotzdem grinsen, weil ich es nicht verhindern kann. Ich bleibe noch einen Moment stehen, als hätte mein Körper Angst, dass ich umkippe, sobald ich mich bewege. Der Raum ist plötzlich viel zu groß ohne ihn direkt vor mir, und mein Kopf spielt die letzten Sekunden wie eine kaputte TikTok-Schleife ab: die Tasche auf dem Tisch, dieser Blick, der Abstand, der keiner war, sein Finger auf meinen Lippen, mein Name an meinem Ohr. Und ich frage mich ernsthaft, ob ich mir das gerade eingebildet habe oder ob das wirklich passiert ist. Weil… das war nicht nur „Flirt“. Das war nicht nur ein bisschen Spiel, um mich zu verwirren. Das hatte Gewicht. Es hatte diese gefährliche Ruhe, als hätte er in dem Moment genau gewusst, was er tut und genau gewusst, was es mit mir macht. Und es macht mich noch wahnsinniger, dass er das einfach so fallen gelassen hat und gegangen ist, als wäre es ein Nebensatz. Ich schlucke nochmal, spüre, wie mein Herz immer noch schneller schlägt als es sollte, und ich merke, dass ich grinse, obwohl ich mir eigentlich sagen will, dass ich mich zusammenreißen muss. Mein Kopf versucht sofort, das Ganze zu rationalisieren: Vielleicht macht er das nur, weil er gesehen hat, dass ich aus dem Konzept gerate. Vielleicht testet er Leute. Vielleicht ist das sein Ding. Aber dann sehe ich dieses kurze Grinsen vor mir nicht das kalte, das alle anderen sehen wollen, sondern dieses echte, minimale, fast heimliche. Und ich weiß, dass ich es nicht einfach als Zufall abstempeln kann. War das Anziehung? Also… echte? Nicht „oh, hübsch“ oder „spannend, weil unerreichbar“, sondern dieses komische Ziehen, als hätte mir jemand eine Hand irgendwo in den Brustkorb gelegt und einmal fest zugedrückt. Ich hab’s gespürt. Mein Körper hat schneller entschieden als mein Kopf, und das passiert mir sonst nicht so. Ich bin normalerweise der, der reden kann, der die Stimmung lenkt, der alles mit Charme überdeckt. Und er hat mich mit zwei Sätzen still gemacht.
Ich werfe einen Blick zur Tür, als könnte er gleich wieder reinkommen, nur um zu sehen, wie lange ich noch so dumm rumstehe. Und ich schnaube leise, mehr über mich selbst als über irgendwen. „Okay, Milo“, murmele ich, „du wolltest helfen. Du wolltest normal sein. Du wolltest nicht…“ Ich breche ab, weil ich nicht mal weiß, was ich nicht wollte. Langsam nehme ich meinen Rucksack, zwinge meine Beine, sich zu bewegen. Beim ersten Schritt spüre ich noch, wie heiß meine Wangen sind, als hätte ich mich zu lange in die Sonne gestellt. Aber mit jedem Meter Richtung Tür wird’s besser. Nicht, weil das Gefühl weg ist eher, weil ich wieder Luft kriege. Weil ich wieder so tue, als wäre ich ich. Im Flur ist es kühler, der Lärm von irgendwo weiter hinten in der Schule kommt gedämpft, und ich merke erst jetzt, wie hungrig ich bin. Nicht nur auf Essen. Auf irgendwas, das mich erdet. Auf etwas Normales, das mir beweist, dass ich nicht komplett durchdrehe, nur weil jemand mich einmal nah genug an sich gelassen hat, um mich aus dem Konzept zu bringen. Ich gehe Richtung Cafeteria oder raus zum kleinen Imbiss um die Ecke irgendwas mit Fett, irgendwas mit Salz, irgendwas, das mich wieder in meinen Körper zurückholt. Während ich laufe, verschwindet die Röte langsam, aber das Gefühl bleibt wie ein leiser Druck unter der Haut. Und ich merke, wie ich mich dabei ertappe, dass ich schon wieder an ihn denke. Nicht an das, was er gesagt hat. Sondern daran, wie er es gesagt hat. Dieses „Milo“ an meinem Ohr. Und ich hasse, wie sehr es mir gefällt. „Ich kann auch still sein“, hatte ich ihm nachgerufen. Und jetzt, während ich mir vornehme, mir einfach was zu essen zu holen und den Kopf auszuschalten, denke ich: Vielleicht sollte ich das wirklich lernen. Nicht weil ich mich ändern will. Sondern weil ich plötzlich das Gefühl habe, dass Stille bei ihm eine Sprache ist. Und dass ich gerade erst angefangen habe, sie zu verstehen.
